Boeing mit Schwimmflügel


 
Bevor Sie weiterlesen, sollten Sie kurz den nachstehenden Link anklicken und sich eines der Bilder von der Flügelklappe ansehen:
 
Bitte dieses Bild betrachten
 
Die Franzosen haben auf Ihrer schönen Insel La Réunion ein Flugzeugteil gefunden. Das kartoffelförmige Eiland, das – wer weiß das schon – zur EU gehört, ist gerade mal 2.500 Quadratkilometer groß, also ungefähr so groß wie das Saarland und liegt im Indischen Ozean, irgendwo östlich von Madagaskar.
 
Unter den 834.000 Einwohnern befinden sich offensichtlich viele Strandläufer mit großem Interesse am Weltgeschehen und nur wenige Treibgutsammler mit Interesse an einem größeren Stück Aluminium.
 
So ist es gekommen, wie es kommen sollte, das Schrottstück wurde nicht nur gefunden, sondern der Fund auch den Behörden angezeigt, die sich entgegen aller Gewohnheit sofort intensiv dafür interessierten und innerhalb kürzester Zeit war so gut wie sicher:
 
Das ist eine Flügelklappe einer Boeing 777.
 
Davon sind bisher nur drei abgestürzt – von zweien wissen wir genau, wo sie heruntergekommen sind, also muss das Teil von der dritten stammen, nämlich von jenem Flug MH 370, der seit dem März 2014 vermisst wird.
 
Damit sind also wieder einmal sämtliche verschwörungstheoretischen Annahmen über den Verbleib dieses Fluges widerlegt. Die Maschine hat, wie von offiziellen Stellen schon immer angegeben, statt nach Peking zu fliegen, schlicht Kurs auf den Südpol genommen und ist irgendwann, nachdem das Kerosin alle war, ins Meer geplumpst.
 
Monatelange Suchaktionen blieben vollkommen ergebnislos. Die Maschine blieb verschwunden. Sichtungen von Wrackteilen stellten sich immer als Irrtum heraus, Tauchfahrten mit U-Booten brachten kein Ergebnis. Das Ding war weg – und blieb weg.
 
Jetzt haben wir eine Flügelklappe.
 
Das vom Focus veröffentlichte Lichtbild, das Sie sich schon angesehen haben, zeigt das Teil nahezu unversehrt. Keine nennenswerten Kratzer und Schrammen, ein bisschen Rost scheint sie angesetzt zu haben, die Flügelklappe aus Aluminium, ist aber wahrscheinlich nur Dreck – und sie ist an allen Ritzen mit Muscheln besetzt.
 
Ein schönes Bild.
 
Als man aufhörte, Flugzeuge aus Holz und Segeltuch zu bauen und stattdessen Metall verwendete, war es üblich, dass die Wracks von Flugzeugen, die ins Meer stürzten, versanken – und unten blieben.
 
Was nach oben kam, wenn der Rumpf stark beschädigt war, waren zumeist Koffer von Passagieren, manchmal auch Teile der Kunststoffverkleidungen der Kabine. Flügelklappen blieben unten, zumal dieselben auch keine Neigung hatten sich von den Flügeln zu trennen.
 
Wenn es sich bei den Flügelklappen auch um jene Teile handelt, die bei Start und Landung ausgefahren werden, um die Flügeloberfläche zu vergrößern und damit den Auftrieb zu verstärken, während sie beim Reiseflug eingezogen werden, um den Luftwiderstand zu reduzieren, sind diese Teile, die beim Flug hohen Belastungen ausgesetzt sind, doch sehr fest mit dem Flügel verbunden, was gegen das Abreißen derselben spricht, vor allem dann, wenn davon ausgegangen wird, dass die Maschine mit eingefahrenen Klappen unterwegs war und nach dem Verbrauch des Treibstoffs in steilem Winkel auf die Wasseroberfläche aufprallte. Dann hätten allerdings die Flügelnasen die Aufprallenergie abbekommen – und nicht die – relativ geschützt viel weiter hinten liegenden – Klappen.
 
Ausgefahrene Klappen sind vielleicht etwas anfälliger, aber ausgefahrene Klappen würden darauf hindeuten, dass der Pilot einer ansonsten nicht mehr steuerbaren Maschine eine Notwasserung beabsichtigte, die Maschine also im „Segelflugmodus“ in möglichst flachem Winkel aufsetzen wollte, was Passagieren und Besatzung die Gelegenheit gegeben hätte, in den Minuten vor dem Versinken der Maschine über die Notrutschen auszusteigen und sich in die Rettungsinseln zu begeben. Dann aber hätten wir nicht über so lange Zeit vom rätselhaften Verschwinden des Fluges zu berichten gehabt, sondern hätten eine nennenswerte Zahl von Überlebenden aus dem Meer gefischt, weil die Notsender der Rettungsinseln von irgendwem empfangen und richtig interpretiert worden wären.
 
 
 
Nun, sei es, wie es sei, wir haben eine Flügelklappe.
Eine angespülte Flügelklappe.
Das ist heftig.
 
Es gibt dafür zwei mögliche Erklärungen:
 
  • Die Klappe ist beim Absturz tatsächlich abgerissen, dann mit dem Rest des Wracks versunken und wurde von einer gewaltigen Tiefenströmung in Richtung La Reunion getrieben und dann die flache Küstenzone vor der Insel hinaufgeschoben, um endlich mit einer extragroßen Welle an den Strand geworfen zu werden.
  • Die Klappe ist beim Absturz tatsächlich abgerissen, ist aber – weil ihr Inneres einen absolut wasserdichten Hohlraum bildet, als bisher einziges bekanntes Wrackteil nicht untergegangen, sondern an der Wasseroberfläche geblieben, wodurch weite Teile der Außenhaut über Wasser blieben und über ein Jahr lang immer wieder der Sonnenbestrahlung ausgesetzt waren.
Gegen die erste Erklärung spricht das „fabrikneue“ Aussehen des Teils. Die fast vollständige Abwesenheit von Schrammen und Kratzern, wie sie bei einer sehr weiten Reise über den Meeresgrund kaum ausbleiben können. Abgesehen davon, dass die Chance, irgendwo hängen zu bleiben oder in einer Vertiefung im Meeresgrund der Strömung zu entgehen, doch als recht groß angenommen werden kann.
 
Gegen die zweite Erklärung sprechen die Muscheln. Das Teil kann nicht an der Wasseroberfläche getrieben und dabei ringsum von Muscheln besiedelt worden sein. Muscheln mögen es nun einmal nicht allzu trocken und intensive Sonneneinstrahlung mögen sie erst recht nicht.
 
Bleibt eine letzte Erklärungsmöglichkeit, die aber schon eher an ein Wunder grenzen würde:
 
Das spezifische Gewicht der Flügelklappe entsprach annähernd dem spezifischen Gewicht des Salzwassers im Indischen Ozean. Dann könnte die Klappe sich in einem geringen Abstand zur Wasseroberfläche bewegt haben, ohne jedoch vollends auf den Grund zu sinken. Was nichts anderes bedeutet, als dass es sich um ein zufällig entstandenes Element eines nicht geeichten Galileo-Thermometers gehandelt haben muss.
 
 
Sorry.
 
Diese Geschichte erinnert mich zu stark an das medienwirksam in Szene gesetzte Auffinden des Flugschreibers des German-Wings-Fliegers, der in den französischen Alpen zerschellte, als dass ich sie für glaubhaft halten könnte.
 
Die Wahrscheinlichkeit, dass eine solche Klappe bei einem Absturz ins Meer abreißt, ist gering – ich setze sie einmal mit 1:50 an.
 
Die Wahrscheinlichkeit, dass eine abgerissene Klappe nicht auf dem Meeresgrund zur Ruhe kommt, ist noch viel geringer. Selbst wenn ich sie nur mit 1:100 ansetze, sind wir insgesamt bei einer Wahrscheinlichkeit von 1:5000.
 
Die Wahrscheinlichkeit, dass eine abgerissen Klappe, die von Strömungen unterhalb der Wasseroberfläche getrieben wird, die EU-Insel La Reunion erreicht und dort an den Strand geworfen wird, ist ebenfalls gering. Ich setze auch diese Wahrscheinlichkeit mit 1:100 an – und dann kommt noch die Wahrscheinlichkeit hinzu, dass ein solches angeschwemmtes Teil nicht einfach liegen bleibt oder zur Wertstoffsammelstelle getragen wird, sondern eine hochoffizielle Untersuchung auslöst. Die setze ich mit 1:10 an, so dass letztlich eine Chance von 1:5.000.000 (ein zu fünf Millionen) übrig bleibt.
 
Fünf Millionen ungeklärte Flugzeugabstürze – irgendwo im Indischen Ozean – würden also nur in einem einzigen Fall zum Fund einer Flügelklappe auf La Reunion führen.
 
Klar. Die Maschine ist irgendwo.
 
Am wahrscheinlichsten kommt mir immer noch die Annahme vor, dass sie sich auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Diego Garcia befindet, bzw. befunden hat. Darüber habe ich am 11. April letzten Jahres geschrieben.
 
Ich halte es durchaus für möglich, dass die gefundene Flügelklappe tatsächlich von dieser Maschine stammt.
 
Zu klären ist m.E. nur noch, in welchem seichten Salzwasser sie gelagert wurde, bis sich die Muscheln angesiedelt hatten, und mit welchem Transportmittel sie von wem an den Strand von La Reunion befördert wurde, wo sie dann auch prompt gefunden wurde und weltweit in die Schlagzeilen geriet.
 
Zu klären ist auch noch, warum sich überhaupt jemand die Mühe machte, ein Wrackteil vorzuweisen. War da jemand der Wahrheit zu dicht auf der Spur? Drohten Gerichtsverfahren von Hinterbliebenen der Passagiere?
 
Was mich nicht wundern würde:
 
Falls in den nächsten Wochen weitere Wrackteile auftauchen, vielleicht sogar endlich ein paar Gepäckstücke – mit, wie üblich, unversehrten Reisepässen drin, würde mich das gar nicht wundern. Es macht die unglaubliche Geschichte ja nur noch glaubhafter.

Quelle: http://www.egon-w-kreutzer.de/002/PaD302015.html

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Über koka SKYrecordz

Science. Not Fiction. #skywatchMARL

Veröffentlicht am 6. August 2015 in MH 370 und mit getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

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